Der Schwertransport des Apparatebauer Kunden der Arnold Spedition, der eigentlich am Tage der Beladung im Elbehafen in Aken ankommen sollte, ist am Abend überraschend gestoppt worden. Der 90 Tonnen schwere Apparat ist für eine Chemiefabrik in Kolumbien bestimmt. In dem Reaktor wird Polypropylen hergestellt, ein Kunststoff, der beispielsweiseim Fahrzeugbau, in der Elektrotechnik, für Verpackungen, in der Textilindustrie und im Bauwesen eingesetzt wird.

Am Beladetag abends gegen 20 Uhr stand der mächtige Schwerlaster beladen und abfahrtsbereit auf dem Hof des Kunden. Doch die beiden Fahrer hatten es sich schon mit einer Flasche Bier am Grill gemütlich gemacht, als der Versandleiter des Kunden zur vermeintlichen Abfahrt kam. Der fiel aus allen Wolken, als die beiden Fahrer ihm sagten, dass die schon ausgestellte Genehmigung für die Fahrt mit dem über dreißig Meter langen und mehr als fünf Meter hohen bzw. über 90ton Schweren Tieflader kurzfristig widerrufen worden war. Das Begleitteam des Schwertransporters war am Nachmittag – wie vor solchen Fahrten üblich – unterwegs, um die Strecke zu präparieren, und hatte in
Brandis ein Geländer abschrauben wollen, als das vorzeitige Aus kam. Die Landesdirektion Leipzig, die ihre Zustimmung zur genehmigten Strecke gegeben hatte, bestätigte, dass am Beladetag Probleme mit der Fahrt durch Brandis bekannt geworden seien. Darauf habe die zuständige Verkehrsbehörde bei der Gemeindeverwaltung Bennewitz aufmerksam gemacht. Eigentlich, erläuterte der Sprecher der Landesdirektion, seien vor der Zustimmung alle beteiligten Straßenlastträger angehört worden. „Warum die Engstelle in Brandis bei diesem Anhörungsverfahren nicht bekannt war, wissen wir nicht“, sagte man. Man habe versichert, dass es ein objektives Hindernis in Brandis gegeben habe. Es sei untersagt, das Geländer abzuschrauben, so hieß es. Der Stadtchef gibt das unumwunden zu und begründet: „Wir und unsere Verkehrsbehörde in Bennewitz sind in dem Anhörungsverfahren nicht gefragt worden.“ Die Landesdirektion Leipzig erteilte am frühen Morgen die Zustimmung zu einer neuen Streckenführung. Nun durfte der Koloss auf einer Staatsstraße durch Brandis rollen und nicht wie zuvor geplant auf kommunalen Streckenabschnitten. Der Brandiser Bürgermeister sieht seine kommunalen Straßen ohnehin übermäßig von überregionalem Verkehr belastet. Der Kunde hatte den Auftrag für den Reaktor im Wert von rund 500 000 Euro Anfang Juli vorigen Jahres erhalten und war mit dem Bau vier Wochen früher als vereinbart fertig geworden. Nach der Aufregung setzte sich der Transport dann planmäßig und ohne weitere Komplikationen mit einem Tag Verspätung in Richtung Elbe in Bewegung.

 

Engstelle: Beim Versuch, in Brandis ein Geländer zu demontieren, kam das vorläufige Aus für den Schwertransport.

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